Die Entdeckung der katholischen Klöster Schwedens

Während der Wikingerzeit kamen sowohl von England, als auch von Deutschland, katholische Missionare nach Schweden um dort den katholischen Glauben zu verbreiten. In der Folge kam es dann ab dem 12. Jahrhundert dazu dass in Schweden immer mehr Klöster entstanden, so dass bis zum Ende des Mittelalter schließlich rund 300 Klöster entstanden von denen aus eine enorme Macht aus ging, da sie von den Königen und dem Adel gestützt wurden, aber auch über sehr viele wissenschaftliche Erkenntnisse verfügten.
 
Die Kirchen und Klöster jener Zeit hatten nicht nur einen bedeutenden Einfluss auf das Denken der Bevölkerung, die damals aus rund einer Million Einwohnern bestand, sondern die meisten Klöster verfügten auch über enorm viel Geld und hatten auch einen politischen und wirtschaftlichen Einfluss. Erst als mit Gustav Vasa die Reformation kam, wurden Kirchen und Klöster völlig entmachtet, wobei die meisten Klöster sogar dem Erdboden gleich gemacht wurden, so dass heute nur noch einige Ruinen erhalten sind, die jedoch Zeugen einer bedeutenden Epoche Schwedens sind und sehr viel erzählen können.

Die Klosterruine in Vadstena
Foto: Herbert Kårlin

Natürlich ist es nicht sinnvoll nur die bedeutendsten dieser ehemaligen Klöster in Schweden zu besuchen, sondern diesen Besuch auch mit anderen Sehenswürdigkeiten, und vor allem der Entdeckung von Städten, zu verbinden. Oft sind die nahen Umgebungen der Klöster äußerst interessant, denn das Klosterruine in Ystad mit der Klosterkirche und dem Klostergarten liegt mitten in der Stadt, die eng mir den Filmen über Wallander verbunden wird und die einzige Stadt Schwedens ist, die noch heute einen Nachtwächter hat. Die Ruine des Klosters Vreta bietet ebenfalls ein Klosterkirche, und der Göta Kanal mit der siebenstufigen Schleuse Berg ist nur einen Steinwurf entfernt und die Kathedrale in Linköping verfügt über den zweithöchsten Kirchturm Schwedens.
 
Im folgenden stellen wir die acht bedeutendsten Klosterruinen Schwedens kurz dar, wobei wir Reisebüros und Pilgergruppen auch gerne eine Rundfahrt mit Einbindung der nahen Städte und anderer Sehenswürdigkeiten anbieten können bei der man Schweden von einer neues Weise aus entdecken kann.
 
Das Kloster Alvastra, ein ehemaliges Zisterzienserkloster
Das Kloster Alvastra wurde im Jahr 1143 von französischen Mönchen gegründet die dem sehr mächtigen Zisterzienserorden angehörten und brachten dabei die damals modernsten Methoden der Administration und der Baukunst mit. Dies spielte insbesondere deshalb eine Rolle weil das Kloster von den mächtigsten Personen Schwedens finanziert wurde, darunter dem späteren König Sverker dem Älteren. Rund 400 Jahre nach der Gründung wurde das Kloster Alvastra anlässlich der Reformation aufgelöst und das Gebäude wurde weitgehend abgerissen, wobei viele der Steine des Klosters für den Bau des Schlosses in Vadstena und die Gebäude Per Brahes am Vättern benutzt wurden. Erst 1898 begann man dann das Kloster wieder zu restaurieren um die Reste davon erhalten zu können. Als das Kloster Alvastra aufgelöst wurde, besaß es rund 400 landwirtschaftliche Güter, die dadurch von König Gustav Vasa übernommen wurden. In der Klosterkirche wurde Ulf Gudmarsson, der Ehemann der Heiligen Birgitta, begraben.

Die Sankta Maria Kirchein Ystad
Foto: Herbert Kårlin

Das Kloster Gudhem am bekanntesten Vogelsee Schwedens
Das Kloster Gudhem wurde zu Beginn des 12. Jahrhunderts auf einem heidnischen Friedhof, der in einen Königshof verwandelt worden war, erbaut, wobei auch von diesem Kloster heute nur noch eine Ruine des Klosters, der Klosterkirche und des Klostergartens erhalten sind und die bedeutendsten Funde nun im nebenstehenden Klostermuseum zu finden sind, wo man auch erfahren kann wie die Nonnen des Zisterzienserordens lebten. Im Kloster Gudhem wurden insbesondere Frauen aus adeligen Familien ausgebildet, was der höchste Standard für weibliche Bildung war. Mit der Reformation unter König Gustav Vasa ging auch hier das Klosterleben zu Ende und die Erziehung adeliger Frauen änderte seine Linien. Nur wenig vom Kloster entfernt liegt der Hornborga See an dem sich jedes Frühjahr tausend von Kranichen zum Tanz der Kraniche treffen.
 
Das Kloster Nydala im Småland
Auch das Kloster Nydala gehörte zum Orden der Zisterzienser und wurde im gleichen Jahr als das Kloster Alvastra gegründet. Dieses Kloster wurde in einer der ärmsten Regionen Schwedens gegründet, so dass die Abgaben der Einwohner zu wünschen ließen und es über 100 Jahre dauerte bis die Klosterkirche fertiggestellt war. Dennoch gelang es den Mönchen das Kloster mit der Zeit zum reichsten der 17 Zisterzienserklöster Schwedens zu machen, wobei der Reichtum nach der Reformation natürlich dem König in die Hände fiel. Mittlerweile wurden Teile des Kloster wieder restauriert und der Klostergarten gemäß mittelalterlichen Klosteranlagen neu erstellt. Das Kloster Nydala wurde bekannt, weil der König Kristian II bei seiner Reise durch Schweden vermutete dass das Kloster die Widerstandsbewegung stütze und daher den Abt und mehrere Mönche hinrichten ließ.
 
Das Kloster Riseberga
Das Grundstück, auf dem Ende des 12. Jahrhunderts das Kloster Riseberga erbaut wurde, wurde von Birger Brosa, dem zweitmächtigsten Mann Schwedens der Zeit, einigen Nonnen des Zisterzienserordens geschenkt. Dank der zahlreichen Spenden die das Kloster während der 350 Jahre seiner Existenz erhielt, handelte es sich zur Zeit der Reformation um ein sehr wohlhabendes Kloster, das, unter anderem, knapp 300 Güter besaß, die zu dieser Gelegenheit alle vom Königshaus beschlagnahmt wurden. Während des Mittelalters hatte das Kloster einen bedeutenden Einfluss in einem großen Gebiet, da es auch Mühlen, Eisenwerke und andere Einrichtungen besaß und damit der größte Arbeitgeber des Gebietes war, aber auch die Pächter der Güter in einer Abhängigkeit vom Kloster lebten. Hinzu kam natürlich dass das Kloster Riseberga für die gesamte Bildung seines Gebietes verantwortlich war und über ein Krankenhaus verfügte.
 
Das Kloster Vadstena und die Heilige Birgitta
Das Kloster Vadstena und die Klosterkirche wurden vollkommen nach den Plänen der Heiligen Birgitta Ende des 14. Jahrhunderts erbaut, wobei der Heiligen das Land hierfür von König Magnus Eriksson geschenkt wurde. Der Bau des ersten Birgittaklosters Schwedens wurde vollständig vom schwedischen Adel finanziert, da sich dadurch alle der Spendern einen Platz im Himmel kaufen wollten. Als das Kloster Vadstena während der Reformation aufgelöst wurde, handelte es sich beim Kloster um einen der größten Grundstücksbesitzer Schwedens mit über 1000 Gütern und der größten Bibliothek des Landes. Um diese Zeit galt Vadstena auch als das kirchliche und kulturelle Zentrum Schwedens und nahm eine besondere Stellung der katholischen Lehre ein. Im Klostermuseum kann man heute wieder das Leben der ehemaligen Nonnen nacherleben.
 
Das Kloster Varnhem und der Tempelritter Arn
Das Kloster Varnhem ist das erste Kloster Schwedens das ein Zeuge für die Ankunft des Katholizismus in Schweden ist und in moderner Zeit zur Schaffung einer touristischen Klosterstadt führte die dem literarischen Tempelritter Arn gewidmet ist. Auf dem Grund der Klosterkirche konnten bei Ausgrabungen auch Wikingergräber gefunden werden die der katholischen Bestattungsweise jener Zeit entsprechen. Die ersten Mönche kamen gegen das Jahr 1100 in Varnhem an und gehörten dem französischen Zisterzienserorden an. Man kann davon ausgehen dass es sich beim Kloster Varnhem um das älteste christliche Zentrum Schwedens handelt, zumal die ältesten christlichen Gräber Varnhems bis etwa 900 zurückreichen, was beweist dass dort die katholischen Missionare sehr früh ankamen, vermutlich zur gleichen Zeit als Sankt Ansgar in den Raum Stockholms kam.
 
Das Kloster Vreta, das älteste Benediktinerkloster Schwedens
Das Kloster Vreta, ein Nonnenkloster der Benediktiner, wurde etwa gleichzeitig mit dem Kloster Varnhem erbaut, wobei der Grund hierfür König Inge der Ältere dem Benediktinerorden geschenkt hatte. Während das Kloster nur teilweise restauriert wurde, kann man in Vreta noch die Klosterkirche entdecken die teilweise bis zum 12. Jahrhundert zurückreicht. Auch wenn der katholische Glaube mit der Reformation zu Ende ging, so durften die Nonnen noch so lange im Kloster leben bis die letzte unter ihnen gegen 1580 starb. Erstaunlich ist bei Kloster Vreta dass es zwar als Benediktinerkloster gegründet wurde, jedoch im Jahr 1162, unter König Karl Sverkersson, zu einem Zisterzienserkloster wurde. Im Mittelalter war das Kloster Vreta das modernste Kloster Schwedens in dem selbst eine Wasserleitung zu finden war.
 
Das Kloster und die Klosterkirche in Ystad
Beim Kloster in Ystad handelt es sich um ein Kloster des Ordens der Franziskaner, das 1267 von Ritter Holmger und seiner Frau gegründet wurde. Das ursprüngliche Kloster bestand vermutlich nur aus dem Mittelschiff der Kirche und die Mönche wohnten in einfachen Gebäuden in nächster Nähe der Kirche. Da das Kloster erst im 15. Jahrhundert fertiggestellt wurde, sind noch heute große Teile des Klosters erhalten. Im Gegensatz zu den anderen Klöstern Schwedens war jenes in Ystad nur ein bescheidenes Kloster, da der Orden zur Armut aufrief und die Mönche in ihren grauen Kutten zum Betteln angehalten waren. Um sich einen Platz im Himmel zu sichern, erhielt das Kloster zwar ebenfalls Spenden der Adeligen, aber diese Gelder wurden lediglich zum Bau des Klosters benutzt, da die Mönche in der Armut leben mussten. Der Klostergarten wurde in jüngster Zeit wieder nach mittelalterlichem Muster angelegt.